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Chamuel: JEC und hej Sverige!

Als letzte wichtige Wettkämpfe der Saison stand mit dem JEC in der Schweiz noch ein richtiger Höhepunkt auf dem Programm.  Mit einer Sprint-Staffel, einer Mitteldistanz und einer Massenstart-Langdistanz in anspruchsvollem Gelände rund um Villars-sur-Ollon im Unterwallis wurde ein spektakuläres Wettkampfwochenende geboten.

In der Sprint-Staffel lief ich dann aber leider unter meinen Erwartungen.  Die Tagesform stimmte nicht und dazu machte ich noch einige kleine Fehler. Es war nicht schlecht, aber doch eine kleine Enttäuschung.  Dafür zeigten meine Teamkollegen eine bärenstarke Leistung und so klassierten wir uns als zweitbestes Schweizer Team auf dem fünften Rang. 

Resultat ¦ GPS

Am nächsten Tag ging es mit der Mitteldistanz weiter. Nach einer Unsicherheit zum ersten Posten, wo ich bereits einige Sekunden verlor, kam ich mit einer schnellen Route zum zweiten Posten gut in den Lauf. Der Lauf war technisch definitiv nicht perfekt, aber ich konnte die Fehler klein halten und mir gelang  im sehr ruppigen und steilen Walliserhang  eine physisch und koordinativ sehr gute Leistung und klassierte mich mit dem siebten Rang in den Top-Ten. Das Podest verpasste ich um etwas mehr als einer Minute.  Dieses Resultat machte mir sehr viel Freude und zeigt, dass ich an einem guten Tag mit der erweiterten Spitze mithalten kann.

Resultat ¦ GPS

Zum Abschluss wartete dann noch ein richtiger Leckerbissen auf uns. Ein Massenstart auf dem legendären Col de la Bretaye. In einem technisch herausfordernden Gebiet liefen wir zuerst 2,5 Schlaufen, bevor es auf einen ungegabelten Schlussteil ging. Die Stimmung bei der Startpassage war enorm toll und man kam jeweils adrenalingeladen zurück in den Wald. Mit einem Hang hatte ich besonders Mühe und ich verlor auf den ersten beiden Schlaufen dort ziemlich viel Zeit. Jedoch war das Gelände wirklich herausfordernd und so blieben nur wenige fehlerfrei. Mit Andrin Gründler und dem Finnen Aaro Aho kam ich aus dem gegabelten Teil auf die ungegabelte Schlussrunde. Zu diesem Zeitpunkt lagen wir auf den Positionen 5-7.  Der letzte Posten war eine lange Routenwahl mit einem Sperrgebiet auf der besten Route.  Dieses Sperrgebiet wurde dann leider zum Hauptgesprächsthema. Wer nachlesen möchte, was passiert ist und was falsch lief, kann hier den Bericht des Bahnlegers Térence Risse nachlesen. Deshalb gibt es nun auch nicht ein Schlussresultat. Man kann auswählen zwischen 3., 6. und 7. (offiziell 6.). Ich trauere dem Podestrang nicht nach, aber ich finde es persönlich eine sehr unverständliche Entscheidung der Cheftrainer.  Meine Leistung und mein Resultat war, egal wie man es wertet, super und ich bin darüber sehr stolz. Gleich zweimal in die Top-Ten zu laufen ist ein perfekter Saisonabschluss.

Resultat ¦ GPS

Dass ich dieses Mal nicht in eine "nach-einem-wichtigen-Wettkampf-keine-Energie-Phase" geriet, hatte einen guten Grund. Nur ein paar Tage danach fuhr ich mit meinem roten VW Golf ab in den Norden. Für den Winter trainiere ich in Stockholm mit meinem schwedischen Verein Järla Orientering. Auf dem Weg dorthin trainierte ich noch ein paar Tage mit meinem Vater in Silkeborg (DK).  Dort findet im nächsten Jahr die Junioren-WM statt und so konnte ich mich bereits zum ersten Mal an das  Gelände gewöhnen und erste Erfahrungen sammeln. Dann war es nur noch eine Tagesfahrt bis nach Stockholm. Ich wohne hier in Nacka bei Anna und Fredrik Brandhorst in einem grossen roten Haus gleich am Waldrand und an einem See. Perfekt Klischee :)  Das Gelände ist meist flach oder leicht kuppiert und ziemlich schnell belaufbar. Die Felsplattenhügel und die vielen Seen und kleine Sümpfe macht es traumhaft schön.

Normalerweise hätte ich wahrscheinlich nach dem JEC die Trainingspause gemacht. Aber in Schweden wollte ich die schneefreie Zeit so gut wie möglich nutzen, um an meiner Technik zu arbeiten und lief dann so viele OLs wie noch nie ausserhalb eines Trainingslagers. Das Gelände ist sehr herausfordernd und ich musste mich zuerst daran gewöhnen, dass hier fehlerfrei zu laufen definitiv nicht normal ist und ich mich nicht nerven sollte, wenn ich mal im irgendwo in einem Sumpf stehe und alles einfach gleich aussieht. Es gab auch immer wieder ganz schöne Flow-Momente. Was gibt es schöneres als mit der Sonne im Gesicht mit hohem Tempo über die Felsplattenhügel zu rennen und den Posten genau dort erwarten, wo er dann auch ist?

Als ersten grösseren Wettkampf lief ich an der Smålandskavlen, einer 5er-Staffel in Südschweden. Die ersten zwei Strecken fanden am Samstag in der Nacht statt, am nächsten Morgen ging es mit einem Jagdstart weiter. Ich lief für das zweite Team von Järla die erste Strecke und mir gelang ein sehr guter Lauf. Ich verlor zwar die Spitzengruppe bei der letzten Gabelung, konnte aber den Rückstand mit 48s klein halten und mit guten Teams an Dan Wester übergeben. Es machte enorm Spass, in dieser riesigen Gruppe und mit einigen prominenten Namen zu laufen.

Das mir der Nacht-OL-Massenstart zurzeit ziemlich liegt, zeigten auch die beiden ersten Läufe der Rennserie "Mila by Night", die jeweils in dieser Form ausgetragen wird. Bei beiden wurde ich 6. Speziell bei der zweiten Austragung hatte ich aber nicht besonders viel Kartenkontakt , weil das Tempo u. a. durch Jens Rönnols, Gustav Bergman oder Simon Hector sehr hoch gehalten wurde.

Neben dem Training gehe ich in eine Sprachschule, um zumindest etwas Schwedisch zu lernen. Die täglichen 2h am Morgen geben mir eine gute Struktur und es macht sehr viel Spass.  Auch wenn ich mich noch nicht wirklich gut verständigen kann, verstehe ich meistens den Kontext und auch sehr einfache Unterhaltungen sind häufig möglich. 

Mir ist es aber trotzdem wichtig zu erwähnen, dass es nicht einfach nur Spass und Glückseligkeit ist, wie es vielleicht wirkt. Wenn ich zurückschaue, kommen mir meistens vor allem die positiven Sachen in den Sinn und es macht auch mehr Spass, über tolle Sachen zu berichten. Ich halte es aber für wichtig, auch über negative Aspekte zu berichten. Ich  musste realisieren, dass der alleinige Fokus auf OL nicht so viel Spass macht, wie ich es erwartete und erhoffte. Ich glaubte daran, dass mich mein tägliches Training ausfüllt und ich es schätzen werde, so viel Zeit in meine Passion zu investieren. Ich musste aber eingestehen, dass ich zurzeit nicht dieser Typ Athlet bin und ich bin überzeugt, dass es zumindest zurzeit besser ist für mich, eine zweite Herausforderung im Leben zu haben, für welche ich mich motivieren kann und wodurch nicht alles vom Sport abhängt. Dies habe ich in einem Studium in Wirtschaftswissenschaften gefunden, welches ich Mitte Februar in Basel beginne. Ich sah ein Studium jeweils mehr als Notwendigkeit an, diese Erfahrung verändert dies glücklicherweise und gibt mir viel Motivation. Ich werde das erste Studienjahr in 1,5 Jahren machen, wodurch ich hoffentlich genügend Zeit haben werde, um mich dem Sport zu widmen. Ebenfalls ist dieser Studiengang sehr flexibel, was mir entgegenkommt. Es bedeutet aber, dass ich mich etwas früher von Stocholm verabschieden muss und bereits im Februar anstatt im April oder Mai nach Hause fahre. 

Ende November holte ich dann die Trainingspause nach und startete anfangs Dezember mit dem Wintertraining. In der Trainingspause hatte ich viel Zeit, über meine Saison nachzudenken, sie auszuwerten sowie den Plan für das nächste Jahr zu machen.  Es war definitiv eine meiner Besten. Ich bin sehr glücklich, was ich in diesem Jahr erreichen durfte und nehme dies als grosse Motivation für die vielleicht auch schwierigen Tage im Wintertraining mit. Der Schweizermeistertitel über die Langdistanz, die Selektion für die Junioren-WM und die drei Top-Ten-Resultate als Saisonabschluss am JEC sind ganz tolle Höhepunkte.

Dass all dies möglich war, basiert auf der Unterstützung von vielen Personen und Institutionen. Für die finanzielle Unterstützung möchte ich mich ganz herzlich bei der Stiftung Basel ist Sport, bei der Rennbahnklinik, bei Swisslos Baselland, beim Gönnerverein OLV Baselland und bei unseren eigenen Gönnern bedanken! Eine ganz wichtige Rolle spielte Anders Holmberg, der mir als persönlicher Betreuer zur Seite stand, mich herausforderte und mir vielen Ratschlägen half. Ebenfalls möchte mich bei den Verantwortlichen des nationalen Juniorenkaders, speziell Jonas Geissbühler, des NWK NWS, der OLV Baselland und Järla Orientering bedanken! Auch ein grosses Merci an meine Familie, meine Freunde und alle, die mich in diesem Jahr in irgend einer Form begleiteten!

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Brüder aus Münchenstein, BL

beide im Nationalkader von Swiss Orienteering

30 SM-Medaillen

3 internationale Medaillen

12 internationale Top-Ten Ränge



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Fotos: u. a. Rémy Steinegger, Red Bull