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Chamuel: Saisonbericht 2019

Den letzten Saisonbericht habe ich ziemlich genau vor einem Jahr auf der Autofähre von Göteborg nach Frederikshavn fertiggeschrieben. Im Wissen, dass ich während dem viermonatigen Aufenthalt in Stockholm sehr gut trainiert habe, kehrte ich zuversichtlich und mit einer guten Portion Selbstvertrauen zurück nach Hause. Die ersten Wettkämpfe konnten kommen!

 

Zuvor reiste ich aber noch mit dem Elitekader nach Portugal. Jeweils die ältesten Junioren erhalten dieses Privileg. Diese Woche war dann ein ziemliches Staunen: Zum einen über die sehr professionelle Arbeitshaltung im Elitekader, doch auch über ein paar sehr perfektionistische Absurditäten. Es waren zehn sehr gute Trainingstage bei fast immer tollem Wetter. Und wer kann von sich behaupten, eine Zeit lang mit Dani Hubmann ein Doppelbett geteilt zu haben? ;) 

Kurze Zeit später ging die Saison mit der Nacht- und der Mitteldistanz-SM los. Und diese startete für mich fulminant: Gleich beide SMs konnte ich für mich entscheiden.

 

Nach einem Trainingslager mit dem Juniorenkader in Göteborg startete die Testlaufserie für die Junioren-WM. Und diese war mental nicht ganz einfach. Die JWOC-Selektion sah ich für mich als Muss und nicht nur als positive Chance. Dementsprechend fehlten mir die nötige Lockerheit und die Freude. Ganz überzeugen konnte ich an den Testläufen nicht, aber es reichte schlussendlich zum Glück gut für die Selektion.

Gleich nach den Testläufen folgte eine intensive Zeit. Zum einen musste ich meine ersten Uniprüfungen vorbereiten und schreiben, zum anderen legte ich nochmals einen intensiven Trainingsblock ein. Am Tag nach der letzten Prüfung reiste ich gleich an die Jukola nach Tampere. Weil ich wegen dem Trainingslager in Göteborg mit dem Juniorenkader nicht an der 10mila teilnehmen konnte, entschied ich mich, die Jukola für meinen schwedischen Verein Järla Orientering zu laufen. Dieser Entscheid fiel mir nicht leicht, doch konnten wir keinen Kompromiss mit dem Juniorenkader finden und ich wollte Järla etwas für den Trainingsaufenthalt im Winter zurückgeben. Ich lief die Startstrecke und kam mit dem grossen Führungstram als 19. mit 24s Rückstand zurück. Die Anspannung vor dem Startschuss und die Emotionen danach werde ich so rasch nicht vergessen. Am Schluss wurden wir als Team 30.

Vor der Junioren-WM lief ich noch die 5er-Staffel und die SOM. Bei beiden Staffeln konnte ich eine gute Leistung zeigen und dem Team der OLV helfen. An der 5er-Staffel wurden wir tolle Dritte. Bei der SOM kam ich als Zweiter im Führungstram mit Andreas Rüedlinger mit grossem Vorsprung von der Startstrecke zurück. Am Schluss wurden wir Vierter.

 

Und dann ging es los. Die Junioren-WM, mein grosses Saisonziel, fand in Silkeborg in Dänemark statt. Das Gelände kann man etwas mit einem schönen Mittellandwald vergleichen. Das Relief ist jedoch meist sehr drehend und steil, dafür die Hügel nicht wirklich hoch. Als Vorbereitung war ich dreimal für mehrere Trainingstage dort.

Nach dem ersten Lauf, dem Sprint in einem verwinkelten Wohnquartier, war ich leicht enttäuscht. Eher wenig Sprinttrainings im Frühling gepaart mit der Nervosität des ersten JWOC-Laufs führten dazu, dass ich wegen einigen gröberen Fehlern nach dem halben Lauf bereits deutlich distanziert war. Die zweite Hälfte war dann aber gut. Die Rangierung ausserhalb der besten 20 war zugegebenermassen nicht das, was ich mir erhoffte, aber im Sprint hatte ich die tiefsten Erwartungen und am nächsten Tag ging es gleich mit der Langdistanz weiter.

 

 

Und diese gelang mir dann auch deutlich besser. Ich kam gefühlt ohne grössere Fehler durch und fühlte mich physisch gut. Vor der JWOC war ich noch relativ zuversichtlich, dass ich in den vielen Trainings ein Gespür für die guten Routenwahlen entwickeln konnte, im Wettkampf konnte ich dies aber leider nicht umsetzen. Ich lief mehrmals zu direkt, verlor dadurch Zeit und durch die zusätzlichen Höhenmeter auch Energie. Der neunte Schlussrang war aber trotzdem eine grosse Freude.

Nach einem Ruhetag ging es mit der Mitteldistanz-Quali weiter. Ohne grosses Risiko, aber trotzdem befreit lief ich auf den dritten Heat-Rang und qualifizierte mich ohne Probleme. Im Final gelang mir wie über die Langdistanz ein guter Lauf, aber der Exploit blieb erneut aus. Zum zweiten Posten verlor ich bereits 20 Sekunden, danach addierten sich noch ein paar kleinere Fehler dazu. Schlussendlich wurde ich trotzdem guter Zehnter, nur 9s hinter dem Diplom.

Und dann galt der Fokus voll und ganz auf der abschliessenden Staffel. Bereits in der ganzen Vorbereitung hatte die Staffel eine spezielle Priorität. Ich lief die Startstrecke für das erste Team. Nach einem Drittel gab es eine erste Zäsur im Feld, mit Norwegen und Frankreich kam ich bei einer Gabelung leicht weg. Wir harmonierten gut und konnten den Vorsprung noch leicht vergrössern. Im Schlussspurt konnte ich mich durchsetzen und als Erster an Reto Egger übergeben. In einer Staffel kann man zwar als Team gewinnen, jedoch auch als Team verlieren. Reto zog einen schlechten Tag ein und trotz einer starken Leistung von Fabian Aebersold auf der Schlussstrecke verpassten wir als Vierte die so erhoffte Medaille.

Nach der Junioren-WM brauchte ich etwas Zeit, um sie richtig einzuordnen. Ich habe auf ein Einzeldiplom und eine Staffelmedaille gehofft und beides verpasst. Trotzdem waren alle vier Waldläufe gut, in keinem Lauf habe ich zu einem Posten mehr als 30 Sekunden Fehler gemacht. Jedoch reichte meine physische Verfassung nicht aus, um ganz vorne mitzulaufen. Jetzt, mit etwas mehr Distanz, schaue ich sehr gerne auf die Woche in Dänemark zurück mit tollen Erinnerungen, guten Resultaten und vielen Emotionen.

Nach einer kurzen Trainingspause startete ich mit dem Jugendlager im Tessin in die Vorbereitung der Herbstsaison. Viel Zeit blieb aber nicht bis zu den Testläufen für den Junioren-Europacup „JEC“. Nach einer völlig misslungenen Langdistanz in Kandersteg zeigte ich bei den anderen beiden Testläufen eine gute Reaktion und wurde hinter Tino Zweiter an der Sprint-SM in Stans. Eine Woche danach an der Langdistanz-SM war erneut nur Tino schneller. Somit gewannen wir zusammen alle vier SM-Titel und dazu noch drei Silbermedaillen.

Nach dem letzten TL mit dem Junioren-Kader in Österreich konnte der JEC endlich kommen. Nach gutem Training im Herbst und mit 8.54 einer neuen PB über 3000m eine Woche davor war ich neugierig und gespannt auf die Wettkämpfe in Frankreich im Département Ardèche. Im Sprint gelang mir ein sehr guter Lauf mit nur zwei kleineren Zeitverlusten und ich platzierte mich auf dem sechsten Rang. Eine tolle Reaktion nach dem verpatzten JWOC-Sprint.

 

Am Abend danach werte ich den Lauf kurz mit dem Juniorenkadertrainer Jonas Geissbühler aus seine Motivationsrede für mich für die darauffolgende Langdistanz war legendär. Kurz zusammengefasst: „Ich habe dich heute auf dem Podium beobachtet und du bist einfach zu nett zu den anderen. Starte aggressiv und zeige allen, was du drauf hast. Wenn es hart wird, denk an jemand, den du richtig hasst.“ Und dies machte ich! An diesem Tag passe fast alles zusammen. Der Lauf in einem Skigebiet war geprägt von einigen Höhenmetern und vielen Routenwahlen. Fast immer entschied ich mich richtig, fand die Posten auf Anhieb und hatte die Beine dazu, mit den Besten mitzuhalten. So konnte ich zum ersten Mal einen internationalen Lauf gewinnen! Der an der JWOC noch vermisste Exploit gelang mir an diesem Tag und darüber freute ich mich sehr!

 

Der JEC war aber noch nicht vorbei. Gleich am nächsten Tag gab es als Schweizer Team noch eine Revanche für die JWOC-Staffel. Reto Egger und Tino legten auf den ersten beiden Strecken sehr gut vor. Ich startete mit kaum Rückstand, das Tram war jedoch ziemlich gross und die Leute um mich herum alles andere als Unbekannte. Bei der zweiten Gabelung verlor ich leider den Anschluss zu den zwei Norwegern und dem Franzosen, weil meine Gabelung deutlich weiter war und ich dazu noch vor meinem Posten zögerte. Mit den anderen des Trams liefen wir aber ziemlich gut weiter und holten den Franzosen wieder ein. Die Schlussphase wurde dann ziemlich hektisch. Dank eines kleinen Fehlers der anderen hatte ich bei der Zuschauerpassage einen Mini-Vorsprung, welchen ich ins Ziel retten konnte. Der dritte Staffelrang war ein phänomenaler internationaler Saisonabschluss!

Eine Woche danach reiste ich mit dem NWK ins allerletzte Trainingslager ins Elsass. Sieben Jahre NWK NWS, dutzende Trainingslager im In- und Ausland, sehr gute Freunde und ganz verschiedene, tolle Erinnerungen. Danke, es war eine super Zeit!

 

Doch ganz fertig war die Saison noch nicht. Gute Startstrecke gelaufen für Järla an der 25manna in Stockholm und der 10. Teamrang, Schweizermeister bei der Elite an der Team-SM mit Chrigi und Tino sowie der vierte Schlussrang am Grandslam-Final: Der Herbst hat richtig Spass gemacht!

 

In der wohlverdienten Trainingspause erreichte mich dazu eine ganz tolle Nachricht. Ich wurde für das B-Kader selektioniert!

 

 

Doch so zuversichtlich ich vor einem Jahr von Schweden zurückreiste, so schwierig sieht meine Situation zurzeit aus. Nach einem guten Monat Wintertraining bekam ich anfangs Jahr Schmerzen unten innen an der Wade. Ich dachte mir zwei Wochen lang nicht viel dabei und es wurde auch etwas besser. Bei einem Sprintwochenende in Darmstadt mit dem Kader wurde es aber nochmals deutlich schlechter und in Anbetracht, dass ich eine Woche danach ins Trainingslager nach Spanien reiste, entschied ich mich, ein paar Tage nur Alternativ zu trainieren. Dass der Schmerz während dem Rennen stärker wurde und die Stelle nach dem Training immer geschwollen war, machte mich unsicher. Leider verbesserte sich die Situation nicht und deshalb trainierte ich auch während dem Trainingslager hauptsächlich im Wasser und auf dem Velo. Zuhause liess ich das Schienbein untersuchen und André Leumann verordnete mir ein MRI. Nach diesem war klar, dass ich eine Vorstufe einer Stressfraktur an beiden Schienbeinen habe (Schmerzen hatte ich aber nur rechts). Die Diagnose schmerzte ziemlich, meine Saisonvorbereitung habe ich natürlich ganz anders geplant. Der Plan ist es, Ende März wieder normal trainieren zu können. Wie schnell ich wieder in Form komme, ist schwierig zu sagen. Die Frühlingswettkämpfe kommen aber sicher früher als ich mir dies wünsche….

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Brüder aus Münchenstein, BL

beide im B-Kader von Swiss Orienteering

21 und 23 Jahre alt



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