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Chamuel: Fokus auf eine Rückkehr

Der Jahreswechsel hatte bisher kaum Bedeutung für mich. Kalender haben eine offensichtliche Willkürlichkeit, die Symbolik hat mich bis jetzt wenig beeindruckt. Dieses Jahr hoffe ich aber zutiefst darauf, dass es anders ist und der 'Rutsch' ins Neue Jahr auch ein Wendepunkt einer Verletzungsserie wird. Am 1. Januar dieses Jahres hatte ich das erste Mal Schmerzen am Schienbein und seitdem war das ganze 2020 verletzungsbedingt herausfordernd. So wie sich mein aktueller Reha-Stand präsentiert, könnte der Neustart auch möglich sein.

 

Aber von Anfang an: Die Schmerzen am Schienbein entpuppten sich als eine Vorstufe einer Stressfraktur, die mir dann länger Probleme bereitete als erhofft. Bei der Rückkehr ins Lauftraining im Frühling hatte ich noch immer Schmerzen, obwohl mehrere MRI zeigten, dass der Knochen wieder gut verheilt ist. Eine Logendruckmessung verhärtete dann den Verdacht eines Zusammenhangs mit dem chronischen Kompartmentsyndrom, welches bei mir vor vier Jahren diagnostiziert wurde. Die Messwerte waren wieder so schlecht wie damals. Im Gegensatz zu vor vier Jahren entschieden wir uns für eine operative Logenspaltung, die im Juni durchgeführt wurde. Die OP war aber leider nicht erfolgreich. Die Loge ist wahrscheinlich wegen einer Einblutung erneut ähnlich zusammengewachsen und vernarbt. Nach mehreren Monaten intensivem Reha-Training und verschiedensten Therapieversuchen entschieden wir uns im November, die Logenspaltung zu wiederholen. Diesmal scheint es deutlich besser geklappt zu haben, die ersten Wochen danach waren vielversprechend. Dazu aber später mehr.

 

Die Verletzungsserie hat sich natürlich stark auf mein Training ausgewirkt. Ich absolvierte im 2020 weniger als ein Drittel der Laufstunden von letztem Jahr. Insgesamt habe ich nur 24 OL-Trainings gemacht, 2019 waren es deren 130. Ebenfalls konnte ich in diesem Jahr an keinem Wettkampf teilnehmen.

Trainiert habe ich trotzdem viel, einfach hauptsächlich mit alternativen Methoden. Ich verbrachte noch nie so viele Stunden im Wasser, auf dem Velo und im Kraftraum.

Es ist offensichtlich, dass ich in dieser Saison gefordert war und ich für mein erstes Elitejahr andere Pläne hatte. Anstrengend waren vor allem die vielen Rückschläge und der Wechsel von meinem gewohntem ‚Sportlerleben‘ zu relativ einsamem Reha-Programm und Pandemieeinschränkungen. Ich bin aber überzeugt, dass ich in diesem Jahr Erfahrungen sammeln konnte, die mir in Zukunft helfen werden. Auch kam ich dem Bachelor in Wirtschaftswissenschaften dank Vollzeitstudium einiges näher.

 

Und die medizinischen Prognosen sind aktuell gut. Die Reha verlief in den ersten Wochen nach der zweiten OP optimal. Es bildete sich kein grosser Bluterguss, wodurch ich rasch mit leichten Übungen anfangen konnte. Heute sind rund vier Wochen vergangen und ich bin auf dem Velo fast schmerzfrei und beginne langsam mit sehr kurzen Jogging-Einheiten. Im Vergleich zur OP im Juni ging alles viel schneller und es fühlt sich auch besser an. Ich bin mit Prognosen wirklich vorsichtig geworden und mir ist bewusst, wie schnell es ändern kann. Gleichzeitig bin ich aber auch optimistisch, dass es gut werden könnte und ich schon bald wieder relativ normal im Training bin.

 

Mein Ziel für die nächste Saison ist die baldige Rückkehr ins normale Training und ein guter Wiederaufbau. Rangziele zu setzen käme einem Blick in eine Kristallkugel gleich. Es ist weiterhin unklar, wie rasch sich die Wadenmuskulatur erholt und wie umfangreich ich dann trainieren kann. Meine Hoffnung ist, in der zweiten Saisonhälfte wieder konkurrenzfähig zu sein.

 

Ich freue mich, weiterhin Mitglied des B-Kaders von Swiss Orienteering zu sein. Ebenfalls darf ich im April in die Spitzensport-RS in Magglingen einrücken. Mich mehrere Monate ganz dem Sport widmen zu können, ist eine für mich einzigartige Möglichkeit und könnte ein wichtiges Puzzleteil für meinen Weg zurück zu alter Stärke werden.

 

Ein besonderes Dankeschön an alle, die mich in diesem Jahr medizinisch betreuten. Insbesondere geht mein Dank an Dr. André Leumann, Cédric Schneider, Dr. Andreas Goesele und Tanja Caviezel.

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Brüder aus Münchenstein, BL

beide im B-Kader von Swiss Orienteering

21 und 23 Jahre alt



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